Junge Menschen ernst nehmen
Die aktuelle Weltlage fordert von Deutschland, sich verteidigungspolitisch neu aufzustellen. Es gilt, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und die Stärke des Rechts gegen das Recht des Stärkeren zu verteidigen.
Die grundsätzliche Diskussion über als Lerndienst ausgestaltete Dienste, über verpflichtende Lernziele, über gesellschaftlichen Zusammenhalt, das Überwinden von Milieugrenzen, aber auch über individuelle Freiheit, selbstbestimmtes Engagement und den Eigen-Sinn von kirchlicher Caritas und Zivilgesellschaft muss weitergeführt werden. Kurzfristig aber kommt der Personalsituation der Bundeswehr eine zentrale Bedeutung zu.
Verschiedene Lösungsansätze sind in der Diskussion: Auswahlwehrpflicht, Wiedereinführung der alten Wehrpflicht, verpflichtendes Gesellschaftsjahr oder ein Rechtsanspruch auf Gesellschaftsdienste mit verbindlicher Beratung. Alle Ansätze verbindet, dass sie junge Menschen und ihre Verantwortung ernst nehmen und signalisieren: Frieden und Freiheit fallen nicht vom Himmel. Jede Person muss etwas dafür tun – mit Wirkung über die eigenen persönlichen Grenzen hinaus. Die Modelle unterscheiden sich in der Frage der verfassungsrechtlichen Herausforderungen und der Ungleichbehandlung von Frauen und Männern.
Das Recht auf Gesellschaftsdienste mit verbindlicher Beratung, für das sich die Wohlfahrtsverbände starkmachen, sieht vor, dass für alle jungen Menschen ein Beratungsangebot geschaffen wird. Bundeswehr, Zivil- und Katastrophenschutz sowie Träger von Freiwilligendiensten informieren einladend über die möglichen Einsatzformate im Inland und Ausland. Dabei kann Peer-to-Peer-Formaten eine besondere Rolle zukommen.
Schon heute engagieren sich in Deutschland viele Millionen Frauen und Männer, Junge und Ältere, davon jährlich knapp 100.000 in einem gesetzlich geregelten Freiwilligendienst. Die Erfahrung dieses Engagements gibt den Menschen Zuversicht und Vertrauen.
Mit dem Rechtsanspruch auf einen Freiwilligendienst, gekoppelt mit einer umfassenden Ansprache für alle Jugendlichen, kann die Zahl der Dienstleistenden in kurzer Zeit verdoppelt und mittelfristig noch weiter ausgebaut werden. Dadurch sollten auch die erforderlichen Zahlen bei der Bundeswehr erreicht werden. Äußere, innere und soziale Sicherheit braucht auch menschliche Investitionen.