Vor dem Hintergrund der dramatischen
demografischen Entwicklung gewinnen bürgerschaftliche Initiativen zur
Unterstützung der Pflege und Betreuung im Alter immer größere Bedeutung. Trotz
begrenzter finanzieller Möglichkeiten steigt der Bedarf an zeitlichen Ressourcen
in der Altenhilfe und Pflege ständig. Erfolge und Visionen aus sieben
verschiedenen Projekten stellte das Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches
Engagement (BBE) nun in der Malteser Kommende Ehreshoven vor. Als Mitglieder
des BBE haben der Deutsche Caritasverband e.V., der Arbeiter-Samariter-Bund
e.V. (ASB), der Malteser Hilfsdienst e. V. sowie das Sozialministerium
Baden-Württemberg die Veranstaltung ausgerichtet.
Teilnehmer waren haupt- und ehrenamtliche Fachleute aus Verbänden und
Einrichtungen, von Trägern und Kommunen. Projektleiter und Teilnehmer
beschrieben auch die Probleme, welche sie täglich in ihrem Engagement
beeinträchtigen. “Das Vertrauen der Kommunalpolitik in bürgerschaftliches
Engagement fehlt leider vielerorts”, meint Josef Martin von der
Seniorengenossenschaft Riedlingen. “Das muss sich ändern!”. Vor allem auf der
kommunalen Ebene seien Anerkennung und Förderung durch Politiker und Verwaltung
für die weitere Entwicklung des bürgerschaftlichen Engagements unverzichtbar.
Die Veranstalter griffen unter anderem die Ergebnisse des Modellprogramms
“Altenhilfestrukturen der Zukunft” auf. Die von Renate Schmidt, Bundesministerin
für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, geforderte Kooperation und Vernetzung
von Gesundheitshilfe und Altenpflege sowie die neue Kultur des Helfens erfüllen
alle in Ehreshoven vorgestellten Projekte. Ebenso berücksichtigen Sie die
Grundsätze der Integration und Partizipation der Ehrenamtlichen.
Ein strittiges Thema ist stets die finanzielle Förderung. Mittel aus dem
Pflegeleistungsergänzungsgesetz stehen heute insbesondere für die ambulante
Hospizarbeit und niedrigschwellige Betreuungsangebote für Demenzerkrankte zur
Verfügung. “Die bürokratischen Hürden, diese Fördermittel bewilligt zu
bekommen, sind allerdings viel zu hoch”, betonte Katrin Puschmann vom ASB
Ostbrandenburg. “Ein Jahr haben wir uns mit den Verwaltungen gestritten, ehe
wir die Mittel bewilligt bekamen.” Anne Helmer, Referentin für Altenhilfe beim
Deutschen Caritasverband e. V., kennt das Problem: ”Bis heute gibt es in
einigen Bundesländern noch nicht einmal Rechtsverordnungen, wie mit den Förderanträgen
umzugehen ist. Hier besteht dringender Handlungsbedarf!”
Dabei werden die Möglichkeiten dieser Förderung häufig unterschätzt. “Es macht
Sinn, die Idee dieser ‘geschützten Budgets’ auch in andern Engagementfeldern
gesetzlich zu verankern”, erläuterte Dr. Johannes Warmbrunn vom
Sozialministerium Baden-Württemberg. Für funktionierende Freiwilligenarbeit ist
ein hauptamtlicher Koordinator auf der kommunalen Ebene unverzichtbar. Die
Ressourcen hierfür müssen von der Politik bereitgestellt werden, andernfalls
kann die Saat des bürgerschaftlichen Engagements nicht aufgehen, waren sich
alle Teilnehmer einig.
Rupert Graf Strachwitz, Leiter des Maecenata-Instituts, Berlin, stellte fest:
“Bürgerschaftliches Engagement kann bezahlte Arbeit nicht ersetzen. Vielmehr
eröffnet sie ganz neue Quellen und Möglichkeiten zur Erweiterung der Lebensqualität.”
Engagement sei kein Lückenbüßer für fehlende oder gar Verdränger
hauptberuflicher Mitarbeiter. ”Gemeinsam mit Ehrenamt kann es den entgeltlich
in der Pflege Tätigen gelingen, eine weitere Qualitätssteigerung ihres Angebots
zu erreichen”, erläuterte Werner Müller vom Malteser Hilfsdienst e. V. An die
beruflich in der Pflege Tätigen werden künftig ganz neue Anforderungen gestellt
werden. Ihre Aufgabe wird es sein, sich auf Augenhöhe mit den Ehrenamtlichen zu
verständigen, sie als Partner zu akzeptieren und zu integrieren. Hierzu bedarf
es der ausdrücklichen Beachtung der Möglichkeiten bürgerschaftlichen
Engagements bereits in der Berufsausbildung.
Insgesamt bedarf es einer verstärkten gesamtgesellschaftlichen Anerkennung
freiwilligen Engagements und der erforderlichen Fort- und Weiterbildung der
Ehrenamtlichen. Nur so kann sich professionelles Arbeiten auch in
ehrenamtlichen Strukturen weiterentwickeln.
Kontakt:
Frau Anne Helmer
Referat Altenhilfe des DCV
Tel. 0761/200458
E-Mail:
anne.helmer@caritas.de
Frau Elisabeth
Frischhut
Referat Altenhilfe des DCV
Tel. 0761/200353
E-Mail:
elisabeth.frischhut@caritas.de